Social Investments: Chancen mit doppeltem Gewinn

Nachhaltige Ziele werden bei immer mehr Unternehmen Teil ihrer Strategie. Klimaschutz fördern, Wachstum in Entwicklungsländern ermöglichen und nachhaltige Innovationen gehören beispielsweise zu den Themen, die auf der Agenda stehen.

Dabei lohnen sich Investieren und gleichzeitig ethisches Handeln nicht nur für „Über­zeugungs­täter“. Die jetzt veröffentlichte Studie der HSH Nord­bank „Social Investments – Chancen mit doppeltem Gewinn“ belegt, dass sich nachhaltiges Investieren auch in Form klassischer Rendite auszahlt: Ein Portfolio von 10 deutschen „best-in-class“ Unternehmen (selektiert auf Basis des besten Nachhaltigkeitsratings) zeigte seit dem 1. Januar 2007 im Vergleich mit dem DAX eine Überrendite von 68 Prozent über eine Periode von elf Jahren – bei vergleichbarem Risiko.

Neben der Performance sieht Ratingexperte Michael Zahn von imug Rating auch den wachsenden regulatorischen Druck als weiteren Grund für die Beliebtheit von „Social Investments“: „Seit 2017 müssen Unternehmen im Geschäftsbericht schreiben, wie sie soziale Verantwortung wahrgenommen haben.“

Die neue Kurzstudie „Social Investing“ der HSH Nord­bank beantwortet, warum nachhaltiges Investieren in den kommenden Jahren doppelt gewinnbringend ist und was für die große Chance weiterer Überrenditen spricht. „Wir sehen hier ein Allzeit-Hoch. In der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) stieg das nachhaltige Anlagevolumen binnen eines Jahres bis zum Ende 2016 um 29 Prozent“, sagt Zahn. „Anfänglich fragten bei uns Überzeugungstäter nach. In den letzten Jahren sahen wir, dass zunehmen auch klassische Vermögensverwalter das Thema Nachhaltigkeit entdecken.“

Interview mit Michael Zahn, Head of Client Relations bei imug rating

Trend zur nachhaltigen Anlage hält auch in den kommenden Jahren an

Institutionelle Investoren gelten als Treiber des stetig steigenden Wachstums von nachhaltigen Investments. Wird dieser Trend anhalten, oder erwarten Sie Verschiebungen in den kommenden zwei bis drei Jahren?

Michael Zahn: Wir sehen hier aktuell ein Allzeit-Hoch und ich glaube, dass dieser Trend auch in der nahen Zukunft noch weiter anhalten wird. Auf unserem Kernmarkt, das ist die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) stieg das nachhaltige Anlagevolumen binnen eines Jahres bis zum Ende 2016 um 29 Prozent – von 326,3 Milliarden Euro Ende 2015 auf 419,5 Milliarden Euro.

Ein neuer Trend in diesem Bereich ist Impact-Investing, bei dem nicht nur die Rendite im Vordergrund steht, sondern die Verwirklichung sozialer oder ökologischer Ziele. Wir haben beispielsweise ein Projekt bewertet, bei dem ein Container zum Solarkraftwerk umgebaut, in Einzelteile zerlegt und per Schiff nach Mali transportiert wurde. Die Menschen vor Ort wurden trainiert, um das Kraftwerk aufzubauen, die Gemeinde war auch eingespannt. Am Ende kann beispielsweise analysiert werden, wie viele Menschen allein durch diesen Bau in Arbeit gebracht worden sind. Das Projekt hat weitgehende, positive, soziale und umweltspezifische Auswirkungen.

Wieso halten sich die Privatanlager bei den Ökofonds noch so stark zurück?

Michael Zahn: Unsere Kunden geben uns nach wie vor die Rückmeldung, dass Privatanlegern immer noch die Transparenz fehlt. Sie fragen sich etwa, in wie weit kann ein Chemiekonzern nachhaltig sein. Nachhaltigkeit wird immer noch verbunden mit grünen Technologien, Solar und Windenergieanlagen. Wir prüfen für unsere Unternehmensbewertungen jedoch nicht nur die Geschäftsmodelle, sondern bewerten auch die internen Prozesse. Am Ende kann per se auch ein Chemiekonzern nachhaltig sein.

Das Interesse an nachhaltigen Anlagen ist zwar da, Privatanleger sehen sie auch als attraktiv an. Doch das Potential ist längst noch nicht ausgeschöpft. Ein Grund dafür liegt sicher darin, dass die Menschen sich über diese Form der Geldanlagen informieren müssen, oder sich auf jemanden verlassen müssen, der sie überzeugen kann. Schließlich ist die Qualität bei Finanzprodukten ja nicht greifbar wie etwa bei einem Stift, den man in die Hand nimmt und sofort weiß, ob er gut schreibt und angenehm in der Hand liegt.

Ein weiteres Hemmnis stellt die unklare Wirkung dar. Die Leute fürchten, dass nachhaltige Anlagen mehr schwanken als nicht nachhaltige. Beispielsweise hat einer unserer Kunden einen Nachhaltigkeitsfonds herausgegeben, der sehr gut bewertet worden ist. In der Bankfiliale vor Ort wird aber eher das klassische Produkt verkauft, auch weil es nicht so erklärungsbedürftig ist.

Worauf sollten private Anleger achten, wenn sie nachhaltig investieren möchten?

Michael Zahn: Jeder möchte mit einer Anlage persönliche Ziele erreichen. Immer ist es die Rendite, aber auch die Verfügbarkeit und die Sicherheit spielen dabei eine Rolle. Geht es um gesellschaftliches, ökologisches, soziales, christliches Engagement? Der Anleger sollte wissen, ob ihm bestimmte Bereiche wichtig sind. Er kann ja auch Branchen belohnen: Unternehmen, die Windkraft produzieren oder neue Technologien, die Recycling verbessern.

Interessant ist auch die Ausrichtung, wie restriktiv eine nachhaltige Anlagestrategie umgesetzt wird – ist sie sehr streng? So betreiben einige Fonds eine Null-Toleranzpolitik und nehmen kein Unternehmen auf, dass einen einzigen Euro mit Militärgütern verdient. Sie wenden diesen Ausschluss zudem auch auf dual use-Produkte an, also solche mit einem doppelten Verwendungszweck, beispielsweise eine Schraube, die in einem Militärfahrzeug verarbeitet wird, aber auch in anderen Fahrzeugen. Wenn weniger strengere Anlagestrategien gelten, sind bestimmte Umsatzgrenzen für kontroverse Geschäftsaktivitäten erlaubt.

Experten fordern die Einführung von Gütesiegeln, verlässlichen Kontrollorganen oder Standards. Was meinen Sie?

Michael Zahn: Ich halte viel von einem Gütesiegel als Orientierungshilfe. Wenn wir etwas bewerten, schaffen wir Transparenz und Sicherheit, das ist vor allem für Privatanleger wichtig. In der Praxis gibt es bereits Siegel für nachhaltige Geldanlagen. Dabei gibt es unterschiedliche Gütestufen bezüglich der Qualität.

Trotzdem möchte ich zu bedenken geben, dass sich der Anleger bitte immer informieren, kritisch hinterfragen, lesen und recherchieren sollte, um selber urteilen zu können. Das Fairtrade-Siegel beispielsweise bedeutet nicht, dass die Produkte zu 100 Prozent aus ökologischem oder sozialverträglichem Anbau stammen.

Welchen Mehrwert kann imug hier zur Aufklärung der Anleger liefern?

Michael Zahn:Wir adressieren unsere Leistungen in der Regel an Institutionelle Anleger, Fonds, Banken. Wir sind unabhängig und nicht beeinflusst von Geldgebern, die ja eine Meinung durchsetzen könnten. Wir bieten sämtliche Informationstiefen, die gewünscht werden. Angefangen bei In- und Out-Listen, die schnell einen Überblick verschaffen, ob es sinnvoll ist, in jene Aktie zu investieren oder nicht. Wenn die Kollegen der HSH beispielsweise mehr wissen wollen zu den Gründen, können wir aber auch sehr kleinteilig darüber informieren, was in dem Unternehmen vorgefallen ist.