Junge Unternehmer mit Kampfgeist

Risikobereitschaft, Erfolgswille und Erfindungsreichtum – all das sind feste Bestandteile der Start-up-DNA und in Zeiten der Digitalisierung notwendige Grundausstattung, um den Anschluss an neue Geschäftsmodelle nicht zu verpassen. Der Next Commerce Accelerator (NCA) – ein Gemeinschaftsunternehmen von HSH Nordbank, Hamburger Sparkasse und der Stadt Hamburg – will junge Gründer bei deren ersten Unternehmerschritten unterstützen und Hamburg als E-Commerce-Standort stärken. Die vier Start-ups der ersten Runde präsentierten jetzt beim „Demo Day“ das Ergebnis ihrer sechsmonatigen Kooperation.

Schon die Lokalität an diesem Abend macht deutlich, worum es beim NCA geht: innovative Ideen außergewöhnlich umzusetzen. Statt in gediegenen Besprechungsräumen werden die Geschäftsmodelle der Start-ups in einem Co-Working-Space am Hamburger Rödingsmarkt präsentiert, begleitet von Flying Buffet und Beats vom DJ-Pult. Die Energie der jungen Gründer ist deutlich spürbar. Und auch die Zusammensetzung der ersten „Start-up-Klasse“, die aus rund 300 Bewerbern ausgewählt wurden, könnte diverser nicht sein: Prelovee, eine Suchmaschine für Secondhandmode, Sleekcommerce, ein E-Commerce-Backend-System, Matecrate, ein e-Sport-Matching-und-Management-Tool sowie Movemates, eine Plattform zur Optimierung der innerstädtischen Transportlogistik. Bei allen Unterschieden haben sie eines gemeinsam: ein großes Ziel vor Augen und den Willen, es zu erreichen.

 Präsention der Ergebnisse nicht in gediegenen Besprechungsräumen, sondern im stylischen Co-Working-Space

Präsention der Ergebnisse nicht in gediegenen Besprechungsräumen, sondern im stylischen Co-Working-Space

„Die Konzepte der teilnehmenden Start-ups waren zwar sehr unterschiedlich. Das war eine gute Mischung, um voneinander zu lernen und Synergien zu schaffen, an die man vorher überhaupt nicht gedacht hatte.“

Stephanie Neumann, Gründerin Preelove

Sechs arbeitsreiche Monate im Betahaus mitten im Hamburger Schanzenviertel liegen hinter den Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern. Monate voller Workshops, intensiver Gespräche, langer Nächte und noch längerer Tage. „Es war eine spannende Zeit“, sagt rückblickend Stephanie Neumann, die mit ihrer Freundin Swantje Pawlitschek das Unternehmen Prelovee gegründet hat. Die Onlinesuchmaschine für Secondhandmode hat ihren Sitz in München. „Die Konzepte der teilnehmenden Start-ups waren zwar sehr unterschiedlich. Doch wir ähneln uns in erstaunlich vielen Punkten. Das war eine gute Mischung, um voneinander zu lernen und Synergien zu schaffen, an die man vorher überhaupt nicht gedacht hatte. Wir haben sehr viel Unterstützung durch das Mentorennetzwerk erhalten und hatten immer einen Sparringpartner für unsere konkreten Fragen und Probleme“, meint Neumann.

Vom Prototyp zur Marktreife

Aus rund 300 Bewerbern wurden die sehr diversen Start-ups der ersten Klasse ausgewählt
Aus rund 300 Bewerbern wurden die sehr diversen Start-ups der ersten Klasse ausgewählt

Fragen gab es gerade am Anfang viele, erinnert sich der Geschäftsführer des NCA, Christoph Schepan: „Die Start-ups kamen zum Teil nur mit Prototypen zu uns. Wir haben sie auf dem gesamten Weg bis zur Markreife begleitet: vom Investorengespräch bis zur Akquise der ersten Kunden.“ Ein Unternehmen zu gründen, ist ein wenig wie Laufen lernen. Die ersten Schritte fallen oft am schwersten. Genau dort setzt der NCA an. „Für sechs Monate haben wir die jungen Unternehmer bei uns einquartiert und ihnen einen Zugang zum Markt und zu Investoren geboten“, sagt Schepan. Die vier Jungfirmen erhielten zudem ein Beteiligungskapital von jeweils bis zu 50.000 Euro. Kapitalgeber sind die zehn NCA-Investoren. Neben der HSH Nordbank und der Hamburger Sparkasse sind das die Handelskonzerne Tchibo und Edeka Nord, Kosmetikhersteller Beiersdorf, Kaffeeröster J.J. Darboven, das Hafenunternehmen HHLA, die Softwarefirma Novomind, das Chemieunternehmen Helm sowie die Bäckereikette Junge. „ Wir haben den Start-ups erfolgreich mit unserem Wissen und unseren Mentoren geholfen, weitere Kapitalgeber für die nächsten Finanzierungsrunden zu finden“, ergänzt Schepan.

„Fragen gab es gerade am Anfang viele. Wir haben den Start-ups erfolgreich mit unserem Wissen und unseren Mentoren geholfen, weitere Kapitalgeber für die nächsten Finanzierungsrunden zu finden.“

Christoph Schepan, Geschäftsführer des NCA

Eine gute Basis dafür ist jedenfalls geschaffen, findet Firmengründer Philip Mordecai von Movemates. „Der NCA ist ein Start-up-Beschleuniger und hat uns mit einem Frühphaseninvestment dabei geholfen, Movemates in Vollzeit zu betreiben. Das hat uns sehr geholfen, da wir zuvor bloß Teilzeitgründer waren und festen Jobs nachgegangen sind. Dank dem NCA konnten wir von Tag eins an fokussiert an unserem Konzept arbeiten.“ Das ist ein Luxus, den sich Existenzgründer sonst nicht leisten können. „Wir haben vom Netzwerk des NCA profitiert, da wir speziell für Händler eine Lösung anbieten“, sagt der 28-Jährige.

Auch die Großen profitieren

Nicht nur die Jungunternehmer profitieren, auch etablierte Unternehmen erhoffen sich durch die Begegnung mit den Start-ups einen Zugang zu jungen Teams, zu deren Technologien und frischen Ideen. Die Kooperationen sind ist damit eine idealtypische Win-win-Situation. Patrick Miljes, Bereichsleiter Unternehmenskunden der HSH Nordbank, ist begeistert von den Ergebnissen der ersten NCA-Runde: „Es war wirklich ein großartiger Abend. Ich habe sehr viel mitgenommen und bin froh, dass wir als HSH Nordbank das Projekt in Angriff genommen haben.“ Besonders der Kampfgeist der jungen Menschen hat ihn beeindruckt: „Nicht aufzugeben, sondern immer weiterzumachen – dieser Gedanke ist heute mehrfach deutlich geworden. Wir können einige der Ideen auch für uns als Bank adaptieren, und ich hoffe sehr, dass wir so weitermachen.“

Weiter geht es auf jeden Fall, denn die zweite Start-up-Klasse steht schon in den Startlöchern. NCA-Chef Christoph Schepan freut sich schon auf die kommende Zusammenarbeit: „Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen und gespannt auf die neuen Gründer, die wir die nächsten sechs Monate begleiten werden.“

„Der NCA ist ein Start-up-Beschleuniger und hat uns mit einem Frühphaseninvestment geholfen, Movemates in Vollzeit zu betreiben. Dank dem NCA konnten wir vor Tag eins an fokussiert an unserem Konzept arbeiten.“

Philip Mordecai, Firmengründer von Movemates

Die vier Start-ups der ersten Runde

Der Bereich Unter­nehmens­kunden der HSH Nord­bank